Newsletter Nr.35/Frühjahr 2021

 Was ist los…  vor und hinter den Kulissen? 

 Die Siedler von Bielefeld 

 Sonderausstellung vom 27.06.-26.09. 2021

Erstmals nach den Ausgrabungen an der Welle in den Jahren 2000 bis 2002 hatten die Archäologen der LWL-Archäologie für West-falen/Außenstelle Bielefeld in den Jahren 2017/18 wieder die Gelegenheit, ein größeres Areal in der Bielefelder Altstadt groß-flächig zu untersuchen. Im Zuge von Neu- und Um-baumaßnahmen am Bank-haus Lampe und dem Bau einer Tiefgarage erforschten die Archäologen gemeinsam mit der Fachfirma Archä-ologie am Hellweg eG den Innenhofbereich im Gebiet Alter Markt, Gehrenberg, Welle und Piggenstraße. 

Aus den Überresten von Mauern, Brunnen und La-trinen kann jetzt genauer beschrieben werden, wie die Stadt gegründet wurde und wer in diesem Viertel lebte. Es war vor allem eine Siedlung der Handwerker und kleinen Leute. In Zusam-menarbeit mit dem LWL-Museumsamt und in Kooperation mit Dr. Sven Spiong und Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe von der LWL – Archäologie/Außen-stelle Bielefeld präsentiert das Museum ab Juni die Ergebnisse der Ausgrabung mit einer Auswahl von 80 Objekten erstmals der Öffentlichkeit. Anhand der Funde werden Geschichten aus 800 Jahren Alltags- und Baukultur erzählt. Aufgrund aktueller Forschungsergeb-nisse muss die frühe Stadt-geschichte teilweise neu geschrieben werden. Ur-sprünglich sollte die Aus-stellung im Frühjahr 2020 als Teil der Trilogie „Bielefelder Blicke“ gezeigt werden, musste aber dann coronabedingt verschoben werden. Jetzt wird sie von Ende Juni bis Ende September 2021 gezeigt. M.-S.F. 


 Bielefeld und die Folgen des Zweiten Weltkriegs 

 Kurz vor dem ersten Lockdown im Frühjahr konnte das Museum noch mit einer „richtigen“ Eröffnung mit realen Besucher*innen den vorläufigen Abschluss des seit 2014 in Etappen vollzogenen Teilumbaus der Dauerausstellung von 1994 und die Vollendung des chronologischen Rundgangs durch die Stadtgeschichte Bielefelds vom Mittelalter bis zur Epoche der Weltkriege 1914 bis 1945 begehen. 

Ein kleiner Rest fehlte aber noch: Wir wollten den Rundgang nicht mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, häufig fälschlich als „Stunde Null“ bezeichnet, beschließen. Wichtig ist dem Mu-seumsteam zu zeigen, wie sich die ersten Schritte aus der Katastrophe der NS-Zeit und des Weltkriegs vollzogen hatten. Es galt, Wege aus der Zerstörung der Stadt und der materiellen Not zu finden, den Zustrom von Vertriebenen und Flüchtlingen aus dem Osten zu bewältigen, mit der Situation einer von den Briten besetzten Stadt klarzukommen und nicht zuletzt, sich vom nationalsozialistischen Gedankengut, das ja mit Kriegs-ende nicht plötzlich verschwunden war, zu lösen und den Weg in eine demokratische Gesellschaft zu finden. Auf der zur Verfügung stehenden beschränkten Fläche entlang der Rampe zum Luftbild hin gelang es unserem Gestalter Michael Falkenstein zusammen mit Maren-Sophie Fünderich, Gerhard Renda, Udo Schlicht und Wilhelm Stratmann, die komplexe Lage der Jahre 1945 bis 1949 anhand einiger ausgewählter Objekte für Bielefeld zu veranschaulichen. So deutet ein Rucksack auf die schwierige Lebensmittelbeschaffung auf dem Schwarzmarkt oder durch Hamsterkäufe hin.

Eine Offiziersmütze symbolisiert die britische Be-satzungsmacht. Mit Entnazifizierungsfragebögen wurde, oft nur halbherzig, versucht, politisch Belastete von wichtigen Positionen in der Verwaltung und Wirtschaft fernzuhalten.Ein Wahlzettel für die Kommunalwahl 1946 weist auf den Neuaufbau politischer, diesmal demokra-tischer, Strukturen hin. Zwei kleine 5-DM-Scheine können nur erahnen lassen, was sich für die Menschen mit der Währungsreform von 1948 verbunden hatte. Am Ende der kleinen Abteilung stellen wir die in Herford geborene Politikerin Frieda Nadig vor, die zu den nur drei „Müttern“ des Grundgesetzes der 1949 gegründeten Bundes-republik Deutschland gehörte. Damit findet der chronologische Rundgang im Museum seinen Abschluss. Hinter der neuen Abteilung öffnet sich die „Hallenebene“. Hier werden zukünftig verschiedene Themenbereiche behandelt, die ihren Schwerpunkt in der Zeit nach 1950 haben und jeweils bis in die Gegenwart verfolgt werden. Wir können nur hoffen, dass bald auch wieder Besuchergruppen die nun komplette Dauer-ausstellungs-Abteilung „Die Epoche der Welt-kriege“ kennenlernen können. Diese Chance bot sich, für den Zeitabschnitt 1914 bis 1945, bisher nur in wenigen Monaten Einzelbesucher*innen und Nutzer*innen unseres digitalen Führungs-angebots. 


Digital unterwegs 

Nach dem ersten Lockdown konnten unter Einhaltung der gültigen Hygiene-Maßnahmen und Verordnungen der Landesregierung NRW erfreulicherweise wieder Veranstaltungen im Museum stattfinden. Vor allem Outdoor- Programme wie Stadtrallyes und interaktive Stadtführungen für Familien waren beliebt, aber auch die Kulturwandertage wurden im Oktober von den Schulklassen gut besucht. 

Gleichzeitig war es dem Museum wichtig, die digitalen Angebote für Familien und Schulklassen weiter auszubauen. So haben das Historische Museum und das Museum Huelsmann erstmalig ein gemeinsames Projekt gestartet. Die Museumspädagoginnen Kim Lempelius und Nora Penlington entwickelten eine digitale Erlebnistour durch den Ravensberger Park. Mit eingebauten Quizelementen und originalgetreuen Hörbeispie-len wird der Fabrikalltag einer 14-jährigen Spinnerin durchleuchtet und erlebbar vermittelt. Die sieben Stationen veranschaulichen außerdem das damalige Leben auf dem Gelände des heutigen Ravensberger Parks. Umgesetzt wurde das Projekt mit den Schauspielerinnen Cornelia Rössler und Ramona Kozma sowie dem freien Museums-pädagogen Frank Worlitzer. Die Audiotour ist auf der BIPARCOURS-App zu finden. Von Vorteil ist, dass die App auch während der Corona-bedingten Schließung der Museen genutzt werden kann. In einer sich wandelnden Gesellschaft ist dem Historischen Museum auch Inklusion ein wichtiges Anliegen. Alle Menschen sollen Zugang zu ge-schichtlichen Themen und somit zur kulturellen Teilhabe erhalten. Deshalb sollte im April 2020 im Rahmen des Bethel-Projektes „Kulturöffner“ eine öffentliche Dauerausstellungs-Führung in leichter Sprache stattfinden. Leider musste die Aktion wegen des Lockdowns abgesagt werden. Daraus entwickelte sich die Idee, ein digitales Projekt durchzuführen. In Zusammenarbeit mit ‚Bildung und Beratung Bethel‘, ‚Aktion Mensch‘ und der ‚Neuen Schmiede‘ wurden mit unserer Museumspädagogin Nora Penlington zwei Filme in einfacher Sprache gedreht. Diese sind auf unserer Homepage zu finden unter den Titeln: „Bielefeld im Mittelalter – Leicht erklärt“ und „Bielefeld – die Leinen-Stadt – Leicht erklärt“. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass das Museum als barrierefreie kulturelle Institution nach dem bundesweit gültigen Kennzeich-nungssystem „Reisen für Alle“ zertifiziert ist. Weitere Anstrengungen werden unternommen, um die Barrierefreiheit im Haus zu stärken. 

„Hunger auf Kultur“ – so ist bestimmt die Devise vieler Menschen nach dem harten Winter. Bleiben wir zuversichtlich, dass das Museum bei Erscheinen dieses Newsletters wieder geöffnet ist und Familien dann wieder das beliebte, noch recht neue ‚Junge Museum‘ besuchen können. Dieser Raum lädt zum Verweilen, Spielen, Recherchieren und Ausprobieren ein. Natürlich können hier auch Kindergeburtstage gefeiert werden und attraktive Workshops stattfinden. Ein analoges Erlebnis hat auch was …
Sabine Sievert-Spilker 


Eine neue Organisationseinheit 

Seit dem 1. Januar bilden das Historische Museum und das Museum Huelsmann als zwei Institute das Amt „Museen im Ravensberger Park“. Damit wird die bedeutende kulturgeschichtliche Sammlung ein städtisches Kulturinstitut. Daneben gibt es als drittes Element eine Verwaltungs- und Service-abteilung, zu der auch die Museumswerkstatt gehört. Die Leitung des neuen Amtes liegt beim Leiter des Historischen Museums, die stell-vertretende Leitung bei der Leiterin des Museums Huelsmann. Dieses ist weiterhin für den Inhalt der Aus-stellungen verantwortlich und kann auf diesem Gebiet selbständig agieren. Es hat auch einen eigenen Förderverein, so dass sich für die Fördervereine beider Häuser nichts ändern wird. Trotzdem wird in einigen Bereichen wie z.B. der Vermittlungsarbeit oder der Digitalisierung eine engere Zusammenarbeit angestrebt.
W.S. 


Die eine geht, die anderen kommen (wieder) 

Nach 25-jähriger Tätigkeit scheidet Dr. Hildegard Wiewelhove als Leiterin des Museums Huelsmann am 31. März aus dem Dienst aus. In dieser langen Zeit wurde sie quasi das Gesicht des Museums. Sie baute die Dauerausstellung in der Direktorenvilla auf und kuratierte zahlreiche bedeutende Sonderausstellungen. Mit der Erweiterung des Museums um die „Weiße Villa“ gelang es ihr, die Sammlung und den Geltungsbereich des Hauses auf Kunstgewerbe und Design des 20. Jahrhunderts auszudehnen. 

Ab dem 1. April wird Frau Dr. Elisabeth Schwarm die Leitung des Hauses übernehmen. Sie arbeitete fast 20 Jahre im Dresdener Kunstgewerbemuseum, bevor sie vor 9 Jahren die Leitung der Abtei Liesborn im Kreis Warendorf übernahm und verfügt somit über große Erfahrung im Bereich des Kunstgewerbes. Für ihre Tätigkeit wünschen ihr die neuen Kolleginnen und Kollegen alles Gute. 

Am 1. März kehrt unsere Museumspädagogin Friederike Meißner nach einem Jahr Elternzeit wieder auf ihre Stelle zurück. Sie wurde in dieser Zeit zunächst von Nora Penlington und danach von Sabine Sievert-Spilker sehr gut vertreten. Frau Penlington wechselte zum 1. Januar als Museumspädagogin in das Museum Huelsmann und bleibt uns somit indirekt erhalten. Es ist zu hoffen, dass die beiden Museumspädagoginnen alsbald auch wieder mit Publikum arbeiten können.
W.S. 

Dr. Elisabeth Schwarm

 


Zum Gedenken an Hilarius Simons 

Am 5. Januar 2021 verstarb hochbetagt das Fördervereinsmitglied Hilarius Simons. Der 1927 in Münster geborene und seit 1930 in Bielefeld ansässige Simons gehörte dem Verein über 16 Jahre an. Als Equipe-Chef der deutschen Vielseitigkeitsmannschaften bei den Olympischen Spielen in München 1972, Montreal 1976 und Los Angeles 1984 zählte er sicher zu unseren überregional prominentesten Mitgliedern. Aber nicht nur sportlich war Hilarius Simons eine herausragende Persönlichkeit. Schon mit knapp 18 Jahren trat er der CDU bei und gehörte 1946, wohl als Jüngster, zu deren Gründungsmitgliedern in Bielefeld. Für sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement im Reitsport, in der katholischen Kirche und in sozialen Bereichen erhielt Simons zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. 

Im Historischen Museum glänzte er auch noch im hohen Alter als redegewandter Zeitzeuge, der profund kritisch unter anderem über den Bielefelder Alltag im Nationalsozialismus und über die Judenverfolgung berichten konnte. 

Nicht zuletzt deswegen werden wir Herrn Simons vermissen und sprechen seinen Angehörigen, insbesondere seiner Frau, die ebenfalls Vereinsmitglied war, unsere tief empfundene Anteilnahme aus.
Jutta Schattmann 


Ein Schlusswort der Vereinsvorsitzenden 

Liebe Mitglieder des Fördervereins, 

coronabedingt konnte der Förderverein seit unserer letzten Mitgliederversammlung ur eingeschränkt arbeiten. Gemeinsame Aktivitäten waren nicht möglich. Die Kommunikation lief nur per Telefon oder Mail. Das, was eine aktive Fördervereinsarbeit ausmacht, konnte nicht umgesetzt werden. 

Nun hoffen wir auf bessere Zeiten. Die neue Ausstellung „Neubeginn in Trümmern 1945-1949“ ist dann eine Möglichkeit, einmal wieder eine gemeinsame Führung mit den Mitgliedern des Fördervereins zu unternehmen. Und die Stadtführung zur Kinoausstellung “Die grosse IIlusion“ mit Frank Bell steht auch noch aus. 

Eine Mitgliederversammlung wird in diesem Kalenderjahr bestimmt stattfinden, am besten vor Ort im Historischen Museum und nicht online. 

Auf unserer To-Do-Liste steht ganz oben: Wie können wir neue Mitglieder für den Förderverein gewinnen? Vielleicht haben Sie ja schon jetzt Ideen, die Sie mir gerne weitervermitteln können. 

Ich wünsche Ihnen nun alles Gute und freue mich auf das nächste Treffen im Museum mit Ihnen. Bleiben Sie gesund! 

Jutta Schattmann (j.schattmann@historisches-museum-bielefeld.de 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.